Dienstag, 19. April 2016

Frühling

 
Frühling
Was rauschet, was rieselt, was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
»Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!«
Was knospet, was keimet, was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
»Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!«
Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
»Der Frühling, der Frühling!« — da wusst' ich genug!
 
Heinrich Seidel (1842−1906)

Frühlingslicht

 
 
Die kleine Elfe und das tanzende Frühlingslicht
Auf einem ihrer ersten Ausflüge in den Frühlingswald entdeckte die kleine Elfe tanzendes Licht
Nur wenige Sonnenstrahlen erreichten im frühen Frühjahr den Waldboden.
„Hoffentlich findet die Sonne bald unsere Wiese“, sagte die kleine Waldelfe als sie über die ausgetrockneten Herbstblätter zur Elfenhöhle huschte. Sie fror in ihrem dünnen Kleidchen und sie beeilte sich, wieder in die warme Höhle zu kommen.
Die alten Blätter raschelten unter ihren Füßchen. Es machte Spaß, sie knistern und knacken zu lassen und die kleine Elfe lief gleich noch einmal und noch einmal über den Blätterboden. Ein bisschen tanzte sie auch. Und auf einmal war ihr nicht mehr kalt. „Ich glaube, gerade ist der Frühling angekommen“, rief sie. „Er hat warme Luft mitgebracht.“
Das wollte sie gleich ihren Elfenschwestern erzählen und sie eilte heimwärts.
Doch was war das? Ein Lichtpünktchen schmückte den Eingang der Höhle. Fröhlich tanzte es im Frühlingswind. „Hallo, Zauberlicht!“, sagte die kleine Elfe.Das Licht funkelte fröhlich zurück.„Bist du ein Frühlingslicht?“, fragte die Elfe. „Willst du mit mir spielen?“
Sie sprang auf den Höhlenstein und hangelte nach dem geheimnisvollen Licht. Das aber ließ sich nicht einfangen. Es wiegte sich im Klang des leisen Windes und die kleine Waldelfe tanzte ihm hinterher.„Schaut!“, rief sie. „Der Frühling hat ein neues Spiele mitgebracht. Wie schön er ist, der Frühling!“Der kleine Sonnenstrahl, der sich für ein paar Minuten durch die Kiefernzweige zum Eingang der Elfenhöhle durchgeschmuggelt und mit der kleinen Elfe sein Tänzchen getanzt hatte, lächelte. Dann zog er weiter, der Zeit des Tages hinterher.
„Morgen“, flüsterte er, „morgen komme ich wieder. Und nun geh nach Hause und schlafe gut!“Die kleine Waldelfe lauschte. Hatte das Frühlingslicht gerade mit ihr gesprochen?
„Bis morgen!“, rief sie in den Wald hinein. Dann musste sie gähnen. Müde war sie auf einmal geworden. Frühlingsmüde.
© Elke Bräunling