Dienstag, 19. April 2016

Frühlingslicht

 
 
Die kleine Elfe und das tanzende Frühlingslicht
Auf einem ihrer ersten Ausflüge in den Frühlingswald entdeckte die kleine Elfe tanzendes Licht
Nur wenige Sonnenstrahlen erreichten im frühen Frühjahr den Waldboden.
„Hoffentlich findet die Sonne bald unsere Wiese“, sagte die kleine Waldelfe als sie über die ausgetrockneten Herbstblätter zur Elfenhöhle huschte. Sie fror in ihrem dünnen Kleidchen und sie beeilte sich, wieder in die warme Höhle zu kommen.
Die alten Blätter raschelten unter ihren Füßchen. Es machte Spaß, sie knistern und knacken zu lassen und die kleine Elfe lief gleich noch einmal und noch einmal über den Blätterboden. Ein bisschen tanzte sie auch. Und auf einmal war ihr nicht mehr kalt. „Ich glaube, gerade ist der Frühling angekommen“, rief sie. „Er hat warme Luft mitgebracht.“
Das wollte sie gleich ihren Elfenschwestern erzählen und sie eilte heimwärts.
Doch was war das? Ein Lichtpünktchen schmückte den Eingang der Höhle. Fröhlich tanzte es im Frühlingswind. „Hallo, Zauberlicht!“, sagte die kleine Elfe.Das Licht funkelte fröhlich zurück.„Bist du ein Frühlingslicht?“, fragte die Elfe. „Willst du mit mir spielen?“
Sie sprang auf den Höhlenstein und hangelte nach dem geheimnisvollen Licht. Das aber ließ sich nicht einfangen. Es wiegte sich im Klang des leisen Windes und die kleine Waldelfe tanzte ihm hinterher.„Schaut!“, rief sie. „Der Frühling hat ein neues Spiele mitgebracht. Wie schön er ist, der Frühling!“Der kleine Sonnenstrahl, der sich für ein paar Minuten durch die Kiefernzweige zum Eingang der Elfenhöhle durchgeschmuggelt und mit der kleinen Elfe sein Tänzchen getanzt hatte, lächelte. Dann zog er weiter, der Zeit des Tages hinterher.
„Morgen“, flüsterte er, „morgen komme ich wieder. Und nun geh nach Hause und schlafe gut!“Die kleine Waldelfe lauschte. Hatte das Frühlingslicht gerade mit ihr gesprochen?
„Bis morgen!“, rief sie in den Wald hinein. Dann musste sie gähnen. Müde war sie auf einmal geworden. Frühlingsmüde.
© Elke Bräunling
 

Dienstag, 5. Januar 2016

Zum neuen Jahr

 
 


Zum neuen Jahr

 Nun ist das alte Jahr - rasch wie ein Traum -
In die Vergangenheit hinabgeflossen.
Ein neuer Ring hat sich - bemerklich kaum -
Der langen Zeitenkette angeschlossen.
Was vor uns lag verborgen und verhüllt,
Das liegt nun hinter uns, so klar und offen;
Und mancher ist enttäuscht, weil unerfüllt
Geblieben ist sein Sehnen und sein Hoffen.

Wer aber frisch und froh die Tage nahm,
Wie sie das alte Jahr ihm hat gegeben;
Wem alles, Glück und Not und Freud und Gram,
Wie Tag und Nacht, zum Segen ward fürs Leben;
Der kann nicht klagen um verlor`nes Glück
Und dass das alte Jahr ihn hätt`betrogen;
Ihn trieben vorwärts nur ein gutes Stück
Die Stürme und des Lebens wilde Wogen.

Glück auf! Und frisch ins neue Jahr hinein!
Mit Gott voran! So ist`s noch stets gelungen.
Das Leben ist ein Kampf voll Müh` und Pein;
An jedem neuen Tag heißt`s neu gerungen.
So soll es sein! Wer bis zum letzten Schlag
Im Lebenskampf sich nicht lässt unterkriegen,
Der freut an seines Lebens Feiertag
Sich wie ein Held, der kämpfte, um zu siegen!
 
                                 Karl Friedrich Mezger (1880-1911)

Neujahr

 
 


Wie heimlicherweise
Ein Englein leise
Mit rosigen Füßen
Die Erde betritt,
So nahte der Morgen.
Jauchzt ihm, ihr Frommen,
Ein heilig Willkommen,
Ein heilig Willkommen!
Herz, jauchze du mit!
In Ihm sei`s begonnen,
Der Monde und Sonnen
An blauen Gezelten
Des Himmels bewegt!
Du, Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
Sei alles gelegt!
 
Eduard Mörike (1804-1875)

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Frohe Weihnachten



Weihnachtswunder


Winterzauber über´m Land,
glitzernd und schneeweiß,
und dazu noch Lichterglanz,
alles ist ganz leis´.

Bis die Kirchenglocken klingen
in der heil´gen Weihnachtsnacht,
und die frohe Botschaft bringen,
das Christkind ist zur Welt gebracht.

Menschen auf dem Erdenball
fangen an zu singen,
von Liebe, Frieden überall
und auch Hoffnung soll es bringen.

Mit Freudentränen in den Augen
steh´ich da und singe mit:
Gib den Menschen ihren Glauben
und der Welt das Glück zurück!

Angelika Erber

Nur mit dem Herzen


Den wundersamen Weihnachtsstern,
dort am Dezemberhimmel,
den sah ich schon als Kind so gern
im Sternenmeergewimmel.

Er zieht in jeder Weihnachtsnacht
um unsre Mutter Erde
und grüßt mit würdevoller Pracht
die große Menschenherde.

Er ist der Stern am Himmelszelt,
der von dem Feste kündet,
bevor die weihnachtliche Welt
ins neue Jahr dann mündet.

So mancher Mensch erblickt ihn nicht,
wenn er vorüberzieht,
weil man sein wundersames Licht
nur mit dem Herzen sieht.
Alfons Pillach

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Was Nachdenkliches
 
 
 

STILLE NACHT, HEILIGE NACHT


Über die stille und heilige Nacht,
da hab´ ich mir oft schon Gedanken gemacht.
Doch komme ich dabei nur stets zu dem Ziel,
von “Stille und heilig”, da ist nicht mehr viel.
Denn was ist an Stille, und was noch an Frieden,
uns heute auf diesem Erdball beschieden?

Früher, da hat uns die heilige Nacht,
im kältesten Winter noch Wärme gebracht.
Und gerne und oft träum´ ich auch noch heut´
von den Heimlichkeiten der Vorweihnachtszeit.

Mit einfachsten Mitteln verstanden die Alten
die Weihnachtszeit heiter und froh zu gestalten.
Ein Jedermann hatte das feste Bestreben
dem Ander´n nur Freude und Liebe zu geben.

Da wurde gesägt und gefeilt und lackiert,
was an Spielzeug entzwei war noch schnell repariert,
die Mutter stach Herzen und Plätzchen aus
und nach Mandeln und Nüssen roch es im Haus.

Ganz untätig war´n auch die Kinder nicht,
sie lernten noch schnell ein Weihnachtsgedicht
und dazu dann noch ein ganz neues Lied,
weil das Christkind doch alles hört und auch sieht.

Am Abend da saß dann zu dämmriger Stunde,
die ganze Familie in vertrauter Runde.
Man erzählte und hörte, man sang und man spielte
und man wusste genau, was der andere fühlte.
Man hatte noch für den anderen Zeit
und war innerlich für die Weihnacht bereit.

Man saß in der Küche und hat aus dem Herd
das Zischen von Bratäpfeln wieder gehört.
Die Wohnzimmertür war seit langem schon zu,
denn der Raum war für Kinder und Eltern tabu.

Die Tür wurde erst wieder aufgemacht
am ersehnten Abend der heiligen Nacht.
Und riefen zur Christvesper abends die Glocken,
dann blieb damals niemand zu Hause hocken.
Die heilige Nacht ohne Kirchgang? - Auf Ehre,
das war was, was niemals gegangen wäre!

Man sah überm Altar den leuchtenden Stern
und hörte die frohe Botschaft des Herrn.
Viel schöner und heller erschienen die Kerzen,
sie strahlten hinein in geöffnete Herzen
und dazu erklangen, wie jedes Jahr wieder,
die alten innigen Weihnachtslieder.

Und ein ganz tiefer Frieden stellte sich ein,
trat man hinaus in den Sternenschein.
Man war fest überzeugt: “Wir sind nicht verloren,
denn Christus, der Heiland, ist wieder geboren!”

Eine Bilderbuch-Weihnacht, so werdet ihr sagen,
doch möcht´ ich euch dazu nur folgendes fragen:
Habt ihr noch die Zeit, euch mit euren Kleinen
auch gemeinsam um einen Tisch zu vereinen?
Singt ihr noch die Lieder der heiligen Nacht?
Habt ihr schon mal selber ein Spielzeug gemacht?

Eilt ihr nicht ins Kaufhaus und sucht mit den Händen
Geschenke, in längst schon durchwühlten Ständen?
Ihr sucht und ihr hastet und seid ganz geschlaucht
und ihr kauft irgend etwas, was nie jemand braucht.
Doch das ist nicht wichtig, wichtig ist jetzt,
dass man keinen vergisst, dass man keinen verletzt.

Und so rennt ihr denn weiter, total überlastet,
doch man achtet nicht drauf, es wird weiter gehastet.
Und wirklich, am heiligen Abend dann,
kommt ihr mit den letzten Geschenken dann an.

Ihr seid zwar erledigt und ehrlich gestresst,
doch nun kann es kommen, das Weihnachtsfest.
Und es kommt auch wieder, das ist ja ganz klar,
denn Weihnachten gibt es nun mal jedes Jahr.

Doch rufen die Glocken zur heiligen Nacht,
dann wird nicht im Traum an die Kirche gedacht.
Was soll man denn da in die Kälte hinaus?
Die Weihnacht holt man sich per Fernseh´n ins Haus.

Ein Knopfdruck genügt schon und der Apparat
hat die perfekte Weihnacht parat.
Doch was ist ´ne Andacht im Fernseh´n schon wert,
wenn sie niemand beachtet und keiner sie hört?
Es sieht niemand hin und es läuft auch kein Ton.
Was gibt´s da schon Neues? - Das kennt man doch schon!

Dann kommen die Kinder, sie stehen im Raum
und schauen hinauf zu dem Plastikbaum. -
Zwar sieht man auch heut ´ an den Tannenspitzen
immer noch goldene Lichter blitzen,
doch bei näherem Hinseh´n  erkennt man schon bald,
dieses Licht wärmt nicht, weil es künstlich und kalt.

Es blendet das Auge, es wärmt das Gesicht -
Doch bis in die Herzen, da dringt es nicht!
Und so stehen die Kinder verlegen und stumm,
eine ganze Weile wohl noch so herum.

Es wird nicht gesungen, kein Weihnachtsgedicht,
auch die Weihnachtsgeschichte - man hört sie nicht.
Der Kassettenrecorder, der Technik sei Dank,
beliefert uns laut mit dem Weihnachtsgesang.

Doch das wird von allen fast gar nicht vernommen,
man sieht erst, was so an Geschenken gekommen,
und weiß man es dann und man sieht diesen Haufen,
dann ist auch die Weihnacht schon ziemlich gelaufen.

Nun wird´s etwas lauter, die Kinder sie spielen,
falls sie nicht noch in den Geschenken wühlen.
Und dazu ertönt dann, wieder und wieder,
das Weihnachtslied aller Weihnachtslieder.

Aber heute, das weiß man, da kennt man sich aus,
gehören die Lieder nun einmal ins Haus!
Doch gleich darauf gibt´s ein neues Geschrei,
denn das erste Spielzeug ging schon entzwei.

Da plärrt nun das Tonband, jedoch nicht viel minder
ist auch das Geheul der enttäuschten Kinder.
Doch wird die Geschichte erst richtig perfekt,
als der Vater `nen Fehler der Mutter entdeckt.
Die Ärmste, sie hat doch total vergessen,
einen Tisch zu bestellen, für`s Mittagessen.

Nun, die Stimmung auf diesem Weihnachtsfest,
sich wohl allzu leicht nur erraten lässt.
Die Kinder enttäuscht, die Eltern verzankt,
und dazu erklingt, dass es jedem nun langt,
zum vierzigsten Male, mit aller Macht,
das Lied von der stillen und heiligen Nacht.

Ich hab` eine Bitte, sie sei nicht verwehrt,
auch ich möchte schreien, dass jeder sie hört:

Oh Herr, gib es noch einmal, gib Frieden auf Erden,
und lass es noch einmal wie einst wieder werden!

Oh Herr, lass es uns nur noch einmal erfahren,
was du uns geschenkt hast vor zweitausend Jahren,
als du die Erlösung, den Frieden gebracht!

Oh Herr, gib

“DIE STILLE, DIE HEILIGE NACHT!”
Gerhard Mühe


Winterweihnacht


 Winterweihnacht


Es hat geschneit. Die ganze Welt ist weiß.
Die Gartenzäune tragen kleine Hauben.
Die Straßenbahn rollt lautlos über´s Gleis
und auch die Autos brummen nur ganz leis´.
Es hat geschneit. Man sollte es nicht glauben.

Wer jetzt daheim ist, ist gut aufgehoben.
Die Kinder kreischen fröhlich noch und noch,
und finden´s toll, im Schnee herumzutoben.
Die Vögel aber in den Zweigen oben,
die ziehen frierend ihre Flügel hoch.

Sie möchten lieber etwas Wärme haben,
in einem weichen kuscheligen Nest,
und würden sich so gerne einmal laben
an all den guten weihnachtlichen Gaben,
statt nur an Krümeln, die man ihnen läßt.

Vom Kirchturm klingt der Glocken hell Geläute
und stimmt die Menschen auf die Weihnacht ein,
verkündet ihnen Frieden, Liebe, Freude ... -
Wer aber denkt an alle jene Leute,
die mutlos sind, verzweifelt und allein?

Wer öffnet ihnen heute Herz und Türen?
Wer bittet sie herein zu Trank und Speis´?
Wer tröstet jene, deren Seelen frieren,
damit sie ihre Hoffnung nicht verlieren? -
Es hat geschneit, die Welt ist voller Eis.

Eberhard Figlarek