Die Bäume stehn der Frucht entladen,
Und gelbes Laub verweht ins Tal;
Das Stoppelfeld in Schimmerfaden
Erglänzt am niedern Mittagsstrahl.
Es kreist der Vögel Schwarm, und ziehet;
Das Vieh verlangt zum Stall, und fliehet
Die magern Aun, vom Reife fahl.
O geh am sanften Scheidetage
Des Jahrs zu guter letzt hinaus;
Und nenn ihn Sommertag und trage
Den letzten schwer gefundnen Strauß.
Bald steigt Gewölk, und schwarz dahinter
Der Sturm, und sein Genoß, der Winter,
Und hüllt in Flocken Feld und Haus.
Ein weiser Mann, ihr Lieben, haschet
die Freuden im Vorüberfliehn,
Empfängt, was kommt unüberraschet,
Und pflückt die Blumen, weil sie blühn.
Und sind die Blumen auch verschwunden;
So steht am Winterherd umwunden
Sein Festpokal mit Immergrün.
Noch trocken führt durch Tal und Hügel
Der längst vertraute Sommerpfad.
Nur rötlich hängt am Wasserspiegel
Der Baum, den grün ihr neulich saht.
Doch grünt der Kamp vom Winterkorne;
Doch grünt beim Rot der Hagedorne
Und Spillbeern, unsre Lagerstatt!
So still an warmer Sonne liegend,
Sehn wir das bunte Feld hinan,
Und dort, auf schwarzer Brache pflügend,
Mit Lustgepfeif, den Ackermann:
Die Kräh'n in frischer Furche schwärmen
Dem Pfluge nach, und schrein und lärmen;
Und dampfend zieht das Gaulgespann.
Natur, wie schön in jedem Kleide!
Auch noch im Sterbekleid wie schön!
Sie mischt in Wehmut sanfte Freude,
Und lächelt tränend noch im Gehen.
Du, welkes Laub, das niederschauert,
Du Blümchen, lispelst: Nicht getrauert!
Wir werden schöner auferstehn!
Voss, Johann Heinrich (1751-1826)
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Sonntag, 6. November 2016
Der Herbsttag
Mittwoch, 25. Mai 2016
Was ist Glück?
Glück ist die Folge der eigenen Anstrengungen.
Man muss nur
die notwendigen Zutaten des Glücks kennen: einen schlichten Geschmack, eine bestimmte
Menge Mut, ein gewisses Maß an persönlichem Verzicht, Liebe zur Arbeit und vor
allem ein klares Bewusstsein.
Glück ist in Wahrheit kein Traum, dessen bin ich mir jetzt ganz
sicher.
George Sand
Samstag, 21. Mai 2016
Komm lieber Mai
Komm, lieber Mai, und mache
Die Bäume wieder grün,
Und lass uns an dem Bache
Die kleinen Veilchen blüh'n!
Wie möchten wir so gerne
Ein Blümchen wieder seh'n,
Ach, lieber Mai, wie gerne
Einmal spazieren geh'n.
Zwar Wintertage haben
Wohl auch der Freuden viel,
Man kann im Schnee frisch traben
Und treibt manch Abendspiel.
Baut Häuserchen von Karten,
Spielt Blindekuh und Pfand,
Auch gibt's wohl Schlittenfahrten
Aufs liebe freie Land.
Doch wenn die Vöglein singen,
Und wir dann froh und flink
Auf grünem Rasen springen,
Das ist ein ander' Ding.
Jetzt muss mein Steckenpferdchen
Dort in dem Winkel steh'n;
Denn draußen in dem Gärtchen
Kann man vor Schmutz nicht geh'n.
Am meisten aber dauert
Mich Lottchens Herzeleid,
Das arme Mädchen lauert
Recht auf die Blumenzeit.
Umsonst hol ich ihr Spielchen
Zum Zeitvertreib herbei,
Sie sitzt in ihrem Stühlchen
Wie's Hühnchen auf dem Ei.
Ach, wenn's doch erst gelinder
Und grüner draußen wär!
Komm, lieber Mai, wir Kinder,
Wir bitten gar zu sehr!
O komm und bring vor allem
Uns viele Veilchen mit,
Bring auch viel Nachtigallen
Und schöne Kuckucks mit.
Die Bäume wieder grün,
Und lass uns an dem Bache
Die kleinen Veilchen blüh'n!
Wie möchten wir so gerne
Ein Blümchen wieder seh'n,
Ach, lieber Mai, wie gerne
Einmal spazieren geh'n.
Zwar Wintertage haben
Wohl auch der Freuden viel,
Man kann im Schnee frisch traben
Und treibt manch Abendspiel.
Baut Häuserchen von Karten,
Spielt Blindekuh und Pfand,
Auch gibt's wohl Schlittenfahrten
Aufs liebe freie Land.
Doch wenn die Vöglein singen,
Und wir dann froh und flink
Auf grünem Rasen springen,
Das ist ein ander' Ding.
Jetzt muss mein Steckenpferdchen
Dort in dem Winkel steh'n;
Denn draußen in dem Gärtchen
Kann man vor Schmutz nicht geh'n.
Am meisten aber dauert
Mich Lottchens Herzeleid,
Das arme Mädchen lauert
Recht auf die Blumenzeit.
Umsonst hol ich ihr Spielchen
Zum Zeitvertreib herbei,
Sie sitzt in ihrem Stühlchen
Wie's Hühnchen auf dem Ei.
Ach, wenn's doch erst gelinder
Und grüner draußen wär!
Komm, lieber Mai, wir Kinder,
Wir bitten gar zu sehr!
O komm und bring vor allem
Uns viele Veilchen mit,
Bring auch viel Nachtigallen
Und schöne Kuckucks mit.
Christian Adolph Overbeck
Dienstag, 19. April 2016
Frühling
Frühling
Was rauschet, was rieselt, was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
»Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!«
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
»Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!«
Was knospet, was keimet, was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
»Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!«
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
»Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!«
Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
»Der Frühling, der Frühling!« — da wusst' ich genug!
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
»Der Frühling, der Frühling!« — da wusst' ich genug!
Heinrich Seidel (1842−1906)
Frühlingslicht
Die kleine Elfe und das tanzende Frühlingslicht
Auf einem ihrer
ersten Ausflüge in den Frühlingswald entdeckte die kleine Elfe tanzendes Licht
Nur wenige Sonnenstrahlen erreichten
im frühen Frühjahr den Waldboden.
„Hoffentlich findet die Sonne bald unsere Wiese“, sagte die kleine Waldelfe als sie über die ausgetrockneten Herbstblätter zur Elfenhöhle huschte. Sie fror in ihrem dünnen Kleidchen und sie beeilte sich, wieder in die warme Höhle zu kommen.
Die alten Blätter raschelten unter ihren Füßchen. Es machte Spaß, sie knistern und knacken zu lassen und die kleine Elfe lief gleich noch einmal und noch einmal über den Blätterboden. Ein bisschen tanzte sie auch. Und auf einmal war ihr nicht mehr kalt. „Ich glaube, gerade ist der Frühling angekommen“, rief sie. „Er hat warme Luft mitgebracht.“
Das wollte sie gleich ihren Elfenschwestern erzählen und sie eilte heimwärts.
Doch was war das? Ein Lichtpünktchen schmückte den Eingang der Höhle. Fröhlich tanzte es im Frühlingswind. „Hallo, Zauberlicht!“, sagte die kleine Elfe.Das Licht funkelte fröhlich zurück.„Bist du ein Frühlingslicht?“, fragte die Elfe. „Willst du mit mir spielen?“
Sie sprang auf den Höhlenstein und hangelte nach dem geheimnisvollen Licht. Das aber ließ sich nicht einfangen. Es wiegte sich im Klang des leisen Windes und die kleine Waldelfe tanzte ihm hinterher.„Schaut!“, rief sie. „Der Frühling hat ein neues Spiele mitgebracht. Wie schön er ist, der Frühling!“Der kleine Sonnenstrahl, der sich für ein paar Minuten durch die Kiefernzweige zum Eingang der Elfenhöhle durchgeschmuggelt und mit der kleinen Elfe sein Tänzchen getanzt hatte, lächelte. Dann zog er weiter, der Zeit des Tages hinterher.
„Morgen“, flüsterte er, „morgen komme ich wieder. Und nun geh nach Hause und schlafe gut!“Die kleine Waldelfe lauschte. Hatte das Frühlingslicht gerade mit ihr gesprochen?
„Bis morgen!“, rief sie in den Wald hinein. Dann musste sie gähnen. Müde war sie auf einmal geworden. Frühlingsmüde.
„Hoffentlich findet die Sonne bald unsere Wiese“, sagte die kleine Waldelfe als sie über die ausgetrockneten Herbstblätter zur Elfenhöhle huschte. Sie fror in ihrem dünnen Kleidchen und sie beeilte sich, wieder in die warme Höhle zu kommen.
Die alten Blätter raschelten unter ihren Füßchen. Es machte Spaß, sie knistern und knacken zu lassen und die kleine Elfe lief gleich noch einmal und noch einmal über den Blätterboden. Ein bisschen tanzte sie auch. Und auf einmal war ihr nicht mehr kalt. „Ich glaube, gerade ist der Frühling angekommen“, rief sie. „Er hat warme Luft mitgebracht.“
Das wollte sie gleich ihren Elfenschwestern erzählen und sie eilte heimwärts.
Doch was war das? Ein Lichtpünktchen schmückte den Eingang der Höhle. Fröhlich tanzte es im Frühlingswind. „Hallo, Zauberlicht!“, sagte die kleine Elfe.Das Licht funkelte fröhlich zurück.„Bist du ein Frühlingslicht?“, fragte die Elfe. „Willst du mit mir spielen?“
Sie sprang auf den Höhlenstein und hangelte nach dem geheimnisvollen Licht. Das aber ließ sich nicht einfangen. Es wiegte sich im Klang des leisen Windes und die kleine Waldelfe tanzte ihm hinterher.„Schaut!“, rief sie. „Der Frühling hat ein neues Spiele mitgebracht. Wie schön er ist, der Frühling!“Der kleine Sonnenstrahl, der sich für ein paar Minuten durch die Kiefernzweige zum Eingang der Elfenhöhle durchgeschmuggelt und mit der kleinen Elfe sein Tänzchen getanzt hatte, lächelte. Dann zog er weiter, der Zeit des Tages hinterher.
„Morgen“, flüsterte er, „morgen komme ich wieder. Und nun geh nach Hause und schlafe gut!“Die kleine Waldelfe lauschte. Hatte das Frühlingslicht gerade mit ihr gesprochen?
„Bis morgen!“, rief sie in den Wald hinein. Dann musste sie gähnen. Müde war sie auf einmal geworden. Frühlingsmüde.
© Elke Bräunling
Dienstag, 5. Januar 2016
Zum neuen Jahr
Zum neuen Jahr
Nun ist das alte Jahr - rasch wie ein Traum -
In die Vergangenheit hinabgeflossen.
Ein neuer Ring hat sich - bemerklich kaum -
Der langen Zeitenkette angeschlossen.
Was vor uns lag verborgen und verhüllt,
Das liegt nun hinter uns, so klar und offen;
Und mancher ist enttäuscht, weil unerfüllt
Geblieben ist sein Sehnen und sein Hoffen.
Wer aber frisch und froh die Tage nahm,
Wie sie das alte Jahr ihm hat gegeben;
Wem alles, Glück und Not und Freud und Gram,
Wie Tag und Nacht, zum Segen ward fürs Leben;
Der kann nicht klagen um verlor`nes Glück
Und dass das alte Jahr ihn hätt`betrogen;
Ihn trieben vorwärts nur ein gutes Stück
Die Stürme und des Lebens wilde Wogen.
Glück auf! Und frisch ins neue Jahr hinein!
Mit Gott voran! So ist`s noch stets gelungen.
Das Leben ist ein Kampf voll Müh` und Pein;
An jedem neuen Tag heißt`s neu gerungen.
So soll es sein! Wer bis zum letzten Schlag
Im Lebenskampf sich nicht lässt unterkriegen,
Der freut an seines Lebens Feiertag
Sich wie ein Held, der kämpfte, um zu siegen!
Nun ist das alte Jahr - rasch wie ein Traum -
In die Vergangenheit hinabgeflossen.
Ein neuer Ring hat sich - bemerklich kaum -
Der langen Zeitenkette angeschlossen.
Was vor uns lag verborgen und verhüllt,
Das liegt nun hinter uns, so klar und offen;
Und mancher ist enttäuscht, weil unerfüllt
Geblieben ist sein Sehnen und sein Hoffen.
Wer aber frisch und froh die Tage nahm,
Wie sie das alte Jahr ihm hat gegeben;
Wem alles, Glück und Not und Freud und Gram,
Wie Tag und Nacht, zum Segen ward fürs Leben;
Der kann nicht klagen um verlor`nes Glück
Und dass das alte Jahr ihn hätt`betrogen;
Ihn trieben vorwärts nur ein gutes Stück
Die Stürme und des Lebens wilde Wogen.
Glück auf! Und frisch ins neue Jahr hinein!
Mit Gott voran! So ist`s noch stets gelungen.
Das Leben ist ein Kampf voll Müh` und Pein;
An jedem neuen Tag heißt`s neu gerungen.
So soll es sein! Wer bis zum letzten Schlag
Im Lebenskampf sich nicht lässt unterkriegen,
Der freut an seines Lebens Feiertag
Sich wie ein Held, der kämpfte, um zu siegen!
Karl Friedrich Mezger (1880-1911)
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Neujahr
Wie heimlicherweise
Ein Englein leise
Mit rosigen Füßen
Die Erde betritt,
So nahte der Morgen.
Jauchzt ihm, ihr Frommen,
Ein heilig Willkommen,
Ein heilig Willkommen!
Herz, jauchze du mit!
In Ihm sei`s begonnen,
Der Monde und Sonnen
An blauen Gezelten
Des Himmels bewegt!
Du, Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
Sei alles gelegt!
Ein Englein leise
Mit rosigen Füßen
Die Erde betritt,
So nahte der Morgen.
Jauchzt ihm, ihr Frommen,
Ein heilig Willkommen,
Ein heilig Willkommen!
Herz, jauchze du mit!
In Ihm sei`s begonnen,
Der Monde und Sonnen
An blauen Gezelten
Des Himmels bewegt!
Du, Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
Sei alles gelegt!
Eduard Mörike (1804-1875)
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