Der Mantel der Zeit
Heute, haben wir wieder einen dieser besonderen Abende und ich berühre die Zeit, die jetzt so dicht, so greifbar ist.
Heute, haben wir wieder einen dieser besonderen Abende und ich berühre die Zeit, die jetzt so dicht, so greifbar ist.
Das vergangene Jahr ist wie ein alter
weiter Umhang, alltagsgrau, aber in den Falten in tausend Farben schillernd.
Eine Schleppe, so lang, dass sie schon in Welle hinter mir die Treppe
herabfließt.
Gewirkt aus dem geheimnisvollen,
wandelbaren Material, das wir Stunden, Wochen oder Sekunden nennen und das mit
dem Sonnenlicht wächst und in den Träumen die Erinnerungen speichert.
Oft genug unansehnlich in der
undefinierbaren Färbung der Tristesse und Langeweile, mit verschlungenen
Mustern, die für Andere nicht deutbar sind. Und dann wieder wild geblümt mit
schönen und schaurigen Momenten im Tanz durch die Jahreszeiten.
Manches Mal lag dieser Mantel schwer wie
nasser Samt auf meinen Schultern, so dass ich kaum von der Stelle kam und es
kostete mich viel Kraft ihn zu schleppen. Doch dann wieder, war er trocken und
leicht, wie ein seidiges Cape, das mich weich und schwerelos umwehte, so das
mir dünkte, ich würde fliegen...
Heute Abend nun lasse ich dieses Cape
von meinen Schultern gleiten. Ich werde später noch lange überall Fäden finden,
die mich an diese bestimmte, meine gelebte Zeit denken lassen. Der abgelegte
Umhang jedoch schwebt davon, wie eine bunte Wolke, um sich irgendwann unbemerkt
nach und nach in der Ewigkeit aufzulösen...
… und morgen früh, wenn ich aufstehe,
greife ich nach dem neuen, schmalen Plaid, das neben meinem Bett liegen wird,
gewebt aus dem letzten Glanz der Sterne und dem ersten Morgenrot. Ich werde
mich einhüllen, über das lockere Gewirk streichen, das sich nun wieder Tag für
Tag ausdehnen und verdichteten wird - ein neues Jahr, der Bruchteil eines
Aeons...


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